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Philosophie

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AnnaCMander 23.04.2018 10:51 Hund getötet - Mord verübt?  T A X
Der Staffordshire-Mischling Nico hat, wie man lesen konnte, seine 52-jährige Besitzerin (im Rollstuhl) und ihren 27-jährigen Sohn (durch Behinderung geschwächt) totgebissen. Er wurde völlig falsch und für sein Sozialverhalten dauerhaft schädlich, auch im Käfig in der Wohnung, gehalten, überdies hat eine veterinärnedizinische Untersuchung ergeben, dass er eine frische Kieferverletzung hatte, die mehrere Operationen erforderlich gemacht hätte, zudem einen offenen Durchgang zur Nasenhöhle. Alles gut beschrieben:
www.swp.de/panorama/hund-_chico_-nach-toedlicher-attacke-eingeschlaefert-25330826.html

Nach gründlichen Erwägungen von Experten, darunter auch Tierschützern, wurde Das Tier eingeschläfert. "Fast 300.000 Menschen unterzeichneten daraufhin eine Onlinepetition gegen die Tötung des Tieres. In den Drohmails wurde … unter anderem die Todesstrafe für alle Verantwortlichen gefordert", es gab Morddrohungen gegen Tierärzte und Behördenmitarbeiter.

<www.spiegel.de/panorama/justiz/hannover-morddrohungen-nach-einschlaeferung-von-hund-chico-a-1203531.html>

Chico, so heißt es, sei das eigentliche Opfer. Ist das so?

Es ist eine philosophische Frage, wie hier das Verhältnis zwischen Tier und Mensch neu bestimmt werden soll. Und sie taucht nicht zum ersten Mal auf.
 ·  AnnaCMander 23.04.2018 12:23 Hund getötet - Mord verübt?  « X
Es ist eine ethische und außerdem eine rechtsphilosophische Frage. Aber sie muss in diesem konkreten Fall wohl nicht unbedingt auf der fachphilosophischen Ebene behandelt werden. Jeder könnte Zugang dazu haben.
Jessup 23.04.2018 12:27 Hund getötet - Mord verübt?  « T A X
Chico, so heißt es, sei das eigentliche Opfer. Ist das so?
Die Aussage und die Frage sind IMHO ungenau
- DAS ... Opfer: zu welchem Zeitpunkt? als er misshandelt wurde? ja! - als er getötet wurde? ja! - als er die beiden Personen getötet hat? nein!
- das EIGENTLICHE Opfer: soll hier relativiert werden? Handlungen der Hundehalter gegenüber der Handlungen des Hundes? da die Handlungen anscheinend eine Folge von Aktion und Reaktion waren (und nicht parallel unabhängige Aktionen) kann hier imho nicht von "eigentlich" gesprochen werden

zu deiner Thread-Überschrift: ein Mord scheint mir noch nicht stattgefunden zu haben (Fall Hund + Hundehalter) und ansonsten wohl nur Morddrohungen. Gibt es eine Erklärung für deine Wortwahl?
AnnaCMander 23.04.2018 13:00 Hund getötet - Mord verübt?  « T A X
Ich folge den Äußerungen und der Wortwahl der Leute, die auf Plakaten und in Aufrufen von Mord (an Chico) sprechen und Chico ehren wollen: "Für uns ist Chico unser Held, unser Freiheitskämpfer, unser Chico Guevara."

Wenn es dann auch heißt, Chico sei das "eigentliche" Opfer, so lese ich: Chico und nicht etwa die ehemaligen (jetzt toten) Halter.

Die Morddrohungen gegen die Leute von den Ämtern sind noch mal etwas anderes.
Bearbeitet am 23.04.2018 13:02 von AnnaCMander 
Jessup 23.04.2018 16:31 Hund getötet - Mord verübt?  « T A X
das Verhältnis zwischen Tier und Mensch neu bestimmt
Menschen können sich ja recht schnell dazu verleiten lassen, Tieren, Pflanzen oder (künstlichen) Gegenständen einen gesteigerten Wert oder Sinn zu verleihen oder sie sogar über sich selbst zu stellen. Dies scheint mir hier zu passieren.
Also: das tolle Mitgefühl mit einem geschundenen (Raub-)Tier, das ja zum Schutz und Hilfe für Heim und Leben in ewiger Treue existiert (und damit der bessere Mensch ist), wurde zu dieser unfassbaren Tat getrieben und soll für seinen Selbstschutz ultimativ bestraft werden. Und das, obwohl bei uns die Todesstrafe gar nicht gilt.
Mein Fazit: wer so etwas kundtut, hat entweder ein sehr gestörtes Verhältnis zu Mensch und Tier oder erlaubt sich deftigsten Blödsinn/Satire/ähnliches.
 ·  AnnaCMander 23.04.2018 19:11 Hund getötet - Mord verübt?  « X
Was ich missbillige, ist, das viele Leute den Hund, der gerade seine Besitzer zerfleischt hat, für das höherwertige Wesen halten, das allgemeine Verehrung verdient und dessen Tötung als Mord einzustufen ist. Mord an einem Tier!

Das scheinen inzwischen viele so zu sehen.

AnnaCMander 23.04.2018 13:35 Hund getötet - Mord verübt?  « T A X
Danke! Ich kannte deinen Thread noch nicht.

Was ist mit den Leuten los? Wieso betreiben sie einen so unfassbaren Aufwand für einen Hund, der gerade zwei Menschen totgebissen hat, während in Syrien Zigtausende von Granaten, Fassbomben und Gift getötet und bei uns Flüchtlinge gejagt werden? Haben die keinen Maßstab mehr? Keine Scham?
 ·  AnnaCMander 23.04.2018 13:57 Anbetung eines Hundes  « X
Man kann das auch unter dem Titel

Anbetung eines Hundes

sehen.
Bearbeitet am 23.04.2018 15:36 von AnnaCMander 

watzz 24.04.2018 21:34 Hund getötet - Mord verübt?  « T A X
Hi,

ich sehe hier keine sonderliche Problematik,

Menschen haben sich schon immer zusammengefunden um Obrigkeitsentscheidungen zu kritisieren.
Sei ist das Fällen eines alten Baumes ("Baum-Mord!"), das befreien von Nutzvieh aus den Weiden oder das Verfüttern einer toten Giraffe an Zootiere. Mittel, Vokabular und Drohungen ähneln sich in den Zeiten der Social Media und werden irgendwann sogar austauschbar. So gesehen sehe ich in diesem Fall nichts besonderes (es hätte sich dabei auch um ein Waran oder einen Eisbären gehandelt haben können)

Nähern wir uns deiner Frage nach dem Verhältnis von Tier und Mensch müssten wir die Frage aber ganz anders stellen.
Nämlich nach dem Verhältnis von Mensch und welchem Tier?
Sicher ist das Verhältnis von Mensch zu höherem Primaten, z.B. einem Urang Uthan ein ganz anderes als zu einer Katze, einem Karpfen oder gar dem Fadenwurm.
Es geht dabei im Intelligenz, Selbstbewusstsein, Lernfähigkeit, soziale Fähigkeiten, etc. (also letztlich die Kriterien, die wir auch an uns selbst messen).
Zweifellos ist uns der Bonobo näher als dieser dem Hund und zweifellos sind wir drei viele näher zueinander als zur Fliege.
Die Frage ist also nicht "Mensch oder Tier", sondern die Frage ist, welche Tiere wir als eben- oder nahewürdig begreifen wollen.
Ich glaube dass in nicht allzu naher Zukunft diese Frage sehr dringend werden wird wenn es ganz neue Spielarten von intelligenten und bewussten Wesen begegnen werden. Seien es intelligente Computer (darüber wird heute bereits diskutiert) oder Chimären (genetische Mischwesen aus menschlichen, künstlichen und tierischen Genen).
Hier hat die Ethik noch einiges zu tun, der Fall mit Chico ist imho dagegen nur eine Posse des Internets.
Bearbeitet am 24.04.2018 21:35 von watzz 
 ·  AnnaCMander 25.04.2018 10:11 Hund getötet - Mord verübt?  « X
Hallo Watzz,

du siehst keine "besondere Problematik" und verweist auf Gewohnheiten im Umgang mit Tieren, die heute eben anders sind als früher. Was sicher richtig ist. Damit allerdings ist schon ein bedenkenswertes Thema gesetzt, das Verhältnis von Mensch und Tier, seit Beginn ein philosophisches Tema, wie wir wissen Und man kann beobachten, dass es in unserer Zeit neue Aktualität bekommt. Natürlich lässt es sich hier nur andeutungsweise aufwerfen. Lassen wir die ontologische Ebene Leben überhaupt beiseite, so beziehst du dich auf die Differenz Mensch -Tier und weist mit Recht darauf hin, dass es n diesem Bereich viele Abtstufungen, die Nähe zum Menschen betreffend, gibt. (Es wäre sicher interessant, die philosophischen Suppositionen solcher Einteilungen genauer zu untersuchen: - Katze, Karpfen, Fadenwurm -, du deutest sie ja an. Und abgesehen von den Differenz zwischen den so gesetzten Unterebenen ergäbe sich immer noch die Frage, ob am Ende der Übergang Tier - Mensch (wie ich angesichts deiner Betrachtungen zu ahnen meine) nur ein gradueller, also in einem Kontinuum verlaufender, oder ein Sprung auf eine neue ontologische Ebene ist. Alles bedenkenswert.

Ich gehe hier von einer solchen ontologischen Differenz Mensch -Tier aus, und so nahe mir persönlich aus eigener Erfahrung Hunde sind, so sind sie Tiere. Sprachfähigkeit, reflexives Bewusstsein, Denken, d.h. Freiheit des Daseins im vollen (nicht nur aristotelischen) Sinn geht ihnen ab. Und damit fehlen die Voraussetzungen für die spezielle Einordnung und Bewertung der Tötung des einen bzw. des anderen. (Der Begriff Intelligenz reicht hier nicht und ist zu unbestimmt.) Hier kommen naturgemäß Fragen der philosophischen Anthropologie einerseits, der Tierethik und der Rechtsphilosophie (Mord!) andererseits ins Spiel: Mit den genanntenDifferenzbegriffen ist nicht nur die Fähigkeit zum Handeln im eigentlichen Sinn gesetzt, sondern die Schaffung von Kultur als neuer Welt-Wirklichkeit und Daseinsmedium. Der Mensch ist in keiner Weise Naturwesen, sondern Kulturwesen. (Der Begriff Natur ist selbst ein kulturelles Symbol.) Damit ist die unaufhebbare Differenz zum Tier (welcher Art auch immer) gesetzt.

Dies von mir vorausgesetzt, sind Äußerungen von vielen Menschen im Zusammenhang mit der tödlichen Beißattacke des Hundes auf die beiden Halter und der Tötung des Hundes Ausdruck einer völligen ethischen Desorientierung, die viel über die Situation des Menschen in unserer Zeit aussagt.

Der Hund, der die beiden Menschen zerbissen hat, als unschuldiges "eigentliches" Opfer, als angebeteter und tief verehrter Freiheitsheld, der "ermordet" wurde und für den 300.000 Menschen, seiner gedenkend, auf die Barrikaden gehen - für mich eine gruselige und abstoßende Verirrung und bei weitem nicht bloß eine "Posse des Internets". Vielmehr das Zeichen an der Wand.

Aber ich räume ein, dass man das auch als unbedeutend betrachten kann. Eine Sache des Blicks.
Bearbeitet am 25.04.2018 15:19 von AnnaCMander 
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