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AnnaCMander 08.07.2018 08:48 Das thailändische Drama, das uns retten soll  T A X
Zwölf Jungs und ihr 25jähriger Trainer sind in einer unzugänglichen, durch Wassermassen versperrten Höhle auf dem Raum eines Wohnzimmers eingeschlossen und haben nur die Aussicht, entweder langsam an Luftnot in Schmutz und Elend qualvoll zu ersticken oder in einer weitgehend aussichtslosen, verzweifelten Rettungstauchaktion zu ertrinken, zusammen mit den Rettern.

Die Einzelheiten sind inzwischen bekannt und werden laufend in Breaking News ergänzt.

Es ist ein schreckliches Geschehen, in seiner weitgehenden Aussichtslosigkeit schwer zu ertragen, zugleich, und das ist so auffallend, das Stellvertreterdrama schlechthin. Es bindet wegen der Unschuld aller Protagonisten (selbst die eindeutige Verfehlung des Trainers, der die Kinder offenbar unter Missachtung der Hinweis- und Verbotsschilder dorthin geführt hat, kann erst einmal als verziehen gelten) die Aufmerksamkeit der ganzen Welt. Wer ein Herz hat, leidet mit und teilt die Schrecken eines vorhersehbaren Todes der Jungen und ihrer Retter.

Und es hat dieses Erleichternde, geradezu Rettende in sich selbst, denn hier ist einmal der nackte Blick auf unschuldig Sterbende und das schlichte Mit-Leiden erlaubt, sogar geboten, es befreit uns von der Schuld, die uns das hundert-, das tausendfache Sterben im Mittelmeer (wo wir die Retter inzwischen kriminalisieren), im Sudan und Jemen, in Libyen, an vielen Orten der Welt zugleich auferlegt. Dazu ist es so geeignet, weil der Ort des Geschehens so exotisch und weit weg ist, weil das Ganze gut lokalisierbar und eben auch eingrenzbar ist (nicht das undefinierbare Irgendwo im Mittelmeer), weil es für jeden anschaulich und gut nachvollziehbar und dadurch konkret (von "zusammengewachsen") ist und weil eine so junge Fußballmannschaft etwas Rührendes hat.

Und es fordert von uns keine Konsequenzen, nicht einmal eine Selbstüberprüfung, ein Gefühl genügt. "Mein Mitgefühl gilt den Familien …"

Die Anteilnahme der Welt ist, bei aller Ehrlichkeit (?), ein Akt der seelischen Selbstrettung.
Bearbeitet am 08.07.2018 10:17 von AnnaCMander 
AnnaCMander 09.07.2018 09:29 Das thailändische Drama, das uns retten soll  « T A X
Ich finde gerade dies (vielleicht hilft es zur Klärung):

"Während die Nation dem Atem anhält, weil Helfer aus aller Welt in Thailand ein Fußballteam aus einer Höhle retten, müssen Retter in Malta, Italien und Spanien tatenlos zusehen, wie ganze Familien vor ihren Augen ertrinken…Ein Kapitän, der doch über 200 Menschen vor dem sicheren Tod bewahrt, muss sich dafür vor Gericht verantworten. Er hat das Recht gebrochen. 

Das ist Europa im Juli 2018. Europa in seiner ganzen hoffnungslosen Unmenschlichkeit."

(Ein Zitat aus einem Artikel der Huffpost v. 9.7.18 unter dem Titel "Europas Schande")
 ·  ybacu 09.07.2018 10:08 Das thailändische Drama, das uns retten soll  « X
Ein so ein paar kleine Fussballjungs weit weg sind ja auch viel besser zu verkaufen, als die ewig gleichen Schwarzen bei Ertrinken (außerdem wollen die ja hierher kommen und die Fussballer nicht und WM ist auch noch..)

"Das ist Europa im Juli 2018. Europa in seiner ganzen hoffnungslosen Unmenschlichkeit."
dem muss man recht geben
AnnaCMander 09.07.2018 10:13 Das thailändische Drama, das uns retten soll  « T A X
Zitat von AnnaCMander, 09.07.2018 09:29:42:
Ich finde gerade dies (vielleicht hilft es zur Klärung):

"Während die Nation dem Atem anhält, weil Helfer aus aller Welt in
Thailand ein Fußballteam aus einer Höhle retten, müssen Retter in Malta,
Italien und Spanien tatenlos zusehen, wie ganze Familien vor ihren Augen
ertrinken…Ein Kapitän, der doch über 200 Menschen vor dem sicheren Tod
bewahrt, muss sich dafür vor Gericht verantworten. Er hat das Recht
gebrochen. 

Das ist Europa im Juli 2018. Europa in seiner ganzen hoffnungslosen
Unmenschlichkeit."

(Ein Zitat aus einem Artikel der Huffpost v. 9.7.18 unter dem Titel
"Europas Schande")
Ich gehe in meinem Beitrag nur noch einen Schritt weiter und belasse es nicht bei dem Auseinanderklaffen des Widerspruchs, den die Huffpost konstatiert und anprangert, sondern sehe gerade die Zusammengehörigkeit der beiden so konträren Haltungen. Das uneingestandene Bewusstsein von Schuld und Schande, dieses kollektive Unbewusste, sucht einen Ausweg in der uneingeschränkt mitleidvollen Hinwendung zu dem thailändischen Drama, das insofern bei allem Schrecken eine seelisch-geistige Katharsis schenkt. Das Mysterium faszinosum et tremendum, fesselnd und schaudernd zugleich.
Bearbeitet am 09.07.2018 10:13 von AnnaCMander 
Jessup 09.07.2018 12:35 Das thailändische Drama, das uns retten soll  « T A X
Ich weiß nicht so recht, ob der mediale Hype auch dem Masseninteresse entspricht, also ob das mediale Angebot auf diese empathische Nachfrage trifft.
Wenn es so ist, dann erscheint mir deine Analyse schlüssig und dabei zu Recht kritikwürdig, da es das Schizophrene in unserer Gesellschaft aufzeigt.
Da ich selbst bei solchen Dramen (mangels beteiligten Bekannten) eher nüchtern und distanziert bin, tauge ich nicht als positives Beispiel für die Betroffenheitsklientel. Wäre ich dagegen thematisch oder persönlich involviert, würde ich sicherlich anders reagieren.
Die Fragen, die ich mir stelle, sind eher:
zu Thailand
- wie konnten die Jungs und ihr Trainer, diese Zeit durchhalten und überleben (psychisch und körperlich)?
- wie wird mit dem Trainer verfahren, wenn die Rettungsaktion vorbei ist (Anklage, Entlastung w/ Krisenmanagement in der Höhle, ...)?
zum Mittelmeer
- wie kann das Thema so dargestellt werden, dass der europäischen Bevölkerung die tatsächlichen Beweggründe der Flüchtenden in ihrer Heimat, die Fluchtrouten, die Situation in Ländern wie Libyen für Flüchtende, internationale Vereinbarungen und Übersicht zu erfolgten, aktuellen und geplanten wie auch verworfenen Aktionen der politisch verantwortlichen Personen und Gruppierungen und vieles andere mehr verständlich wird?
 ·  AnnaCMander 09.07.2018 14:37 Das thailändische Drama, das uns retten soll  « X
Es gibt wohl noch keine Umfragen zu diesem Thema. Allerdings sind es ja nicht nur die einschlägigen Boulevardmedien, die ständig berichten und das Thema hypen, sondern, soweit ich sehe, auch die seriöse Presse. In meinem Umkreis, der auch nicht gerade zu Hysterie neigt, ist immerhin jeder so einigermaßen im Bilde. Ich nehme an, dass dem wohl weltweiten Medienecho eine relativ ausgedehnte Menge von Anteilnehmenden korrespondiert. Es ist ja ein recht singuläres Ereignis, dessen Eigentümlichkeit sich gut für ein symbolisch aufgeladenes Verständnis eignet. Und um dieses geht es mir in meinem Beitrag.

Zu deinen anderen Fragen: Ich nehme an, dass man das Verhalten des Trainers und Anführers der Gruppe, wenn er denn als Letzter einigermaßen wohlbehalten geborgen werden sollte, ganz formell, d.h. gerichtlich, in Frage stellen und untersuchen wird. Und es wird Konsequenzen für ihn geben. Ich kenne zwar die thailändische Justiz nicht, denke aber, dass man sich der Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit sehr bewusst ist.

Und wie es den Jungs während der Wochen in der engen Höhle, ihren eigenen Ausscheidungen bei abnehmender Frischluft in der kompletten Dunkelheit ausgesetzt, mit wenig Nahrung und kaum wirklich frischem Wasser und ohne ermutigendem Kontakt zur Außenwelt ergangen ist, wird man vielleicht nie erfahren. Schon jetzt schirmt man alles ab, und das wird sich fortsetzen. Sicher, Kinder in dem Alter stecken viel weg, mehr als Erwachsene. Außenstehende können allenfalls auf eigene Erfahrungen zurückgreifen, aber wer könnte da mithalten …

Die Fragen deines letzten Absatzes haben größte Bedeutung für die Zukunft. Über die tatsächlichen Verhältnisse in den afrikanischen (mittelöstlichen und anderen) Ländern, die ökonomisch-ausbeuterischen Umstände, die schlechten Regierungsgewohnheiten, den Mangel an vertrauenswürdigen Institutionen usw. aufzuklären, tut dringend not. Dies und der laufende Klimawandel bei zunehmender Bevölkerung ist ja die treibende Kraft für den weiter anschwellenden Migrationsdrang, und uns bleibt nur die aktive Hilfe. Das muss breit benannt und diskutiert werden.

Klugscheisserin 09.07.2018 18:43 Das thailändische Drama, das uns retten soll  « T A X
versteh ich das richtig ? du vergleichst beide tragödien und wertest sie gegeneinander? und wieso rettet es "uns", wer ist "uns"?

ich habe von dem kapitän und was geschah auch gehört und finde es schrecklich, wie vermutlich jeder, der davon kenntnis hat. was ist dein und ybacus beitrag, um das elend zu verhindern? vorschläge will ich nicht lesen, sondern was tut ihr ganz persönlich, außer das, was ihr hier tut?
SusieSoho 09.07.2018 21:07 Das thailändische Drama, das uns retten soll  « T A X
Was soll eigentlich der aggressive Ton? So jedenfalls diskutiert man nicht.

Hier geht es um eine Frage, die sowohl im Psychologieforum als auch unter Philosophie abgehandelt werden könnte. Es geht also, simpelment, um's Denken, nicht um's Handeln.

Will man - im konkreten Fall - handeln und ist nicht gerade Kapitän oder Marinetaucher, so kann man diese Fachleute durchaus finanziell unterstützen. Viele Menschen tun das, ich auch.

Siehe beispielsweise:

www.seenotretter.de/kontakt

de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Gesellschaft_zur_Rettung_Schiffbrüchiger

ssl.aerzte-ohne-grenzen.de/form/online-spenden?pc=B_A-Brand_Aerzte ohne Grenzen Spende&pk=aerzte ohne grenzen spendenkonto&utm_source=bing&utm_medium=cpc&utm_campaign=Brand&utm_term=+ärzte +ohne +grenzen +spendenkonto&utm_content=Ärzte ohne Grenzen Spende (bmm)
 ·  AnnaCMander 09.07.2018 22:07 Das thailändische Drama, das uns retten soll  « X

"Hier geht es … um's Denken, nicht um's Handeln." So würde ich es in aller Kürze auch sagen wollen, auch dass es sozialpsychologische, auch philosophische Überlegungen sind, die ich der Aktualität halber eben hier her gelegt habe.
 ·  AnnaCMander 09.07.2018 22:08 Das thailändische Drama, das uns retten soll  « X
Es sind Überlegungen, durch die ich mir über einige Hintergründe unseres öffentlich geteilten Bewusstseins klar zu werden versuche. Du scheinst damit nichts anfangen zu können. Aber solche Reflexionen und Analysen sind natürlich legitim.

Um es ganz genau zu erläutern: Das massenhafte Leiden und Sterben im Mittelmeer und an anderen Orten geschieht ebenso in der Öffentlichkeit und unter unseren Augen - wenn wir denn hingucken - wie das Unglücksgeschehen in Thailand. Von "wir" und "uns" zu reden, ist völlig berechtigt (und wird wohl auch meist so verstanden), weil wir inzwischen, d.h. in den vergangenen Jahrzehnten seit dem 2. Weltkrieg, gelernt haben, uns über die nationalen Grenzen hinweg als bewusster und aktiver Teil einer Gesellschaft insgesamt zu verstehen, mit gemeinsamen Wahrnehmungs- und Handlungsmöglichkeiten. Das gemeinsame Bewusstsein, die Wahrnehmungs- und Kommunitiosmöglichkeiten, wird dabei über die öffentlichen Medien vermittelt - mit allen Einschränkungen und Bedingtheiten, die hier nicht erörtert werden können. Es ist, mit Hegel, der Objektive Geist, der sich hier artikuliert. (Es ist eben auch ein medientheoretisches Problem innerhalb der Sozialtheorie.) Um nun zu der von dir offenbar monierten "Vergleichbarkeit" zu kommen: Wenn es um Leben und Sterben in unserem Umkreis geht, dann lässt sich wohl fragen, woher Unterschiede in der Wahrnehmung und auch bei der Anteilnahme rühren und was solche Unterschiede über uns selbst aussagen. Ich halte diese Erweiterung unserer Reflektionsbedürfnisse für einen Fortschritt.
Bearbeitet am 10.07.2018 08:20 von AnnaCMander 

ybacu 10.07.2018 21:03 Das thailändische Drama, das uns retten soll  « T A X
der Artiekl spiegelt deine Meinung nur teilweise wieder
z.B.: "Es wird sehr vielen Menschen nicht gerecht, wenn im Mittelpunkt vieler Kommentare der moralische Verfall der einen steht und der Widerstand der anderen dabei aus dem Blick gerät. "
 ·  AnnaCMander 11.07.2018 07:43 Das thailändische Drama, das uns retten soll  « X
Eine "ähnliche Haltung", aus der heraus Meinungen entstehen, ist für mich etwas anderes als die jeweiligen Meinungen, die dann immer noch sehr unterschiedlich sein können, und ich hatte die Formulierung mit Bedacht gewählt.
Bearbeitet am 11.07.2018 11:25 von AnnaCMander 
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