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Philosophie

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AnnaCMander 22.09.2018 11:17 Würde des Menschen - eine sprachanalytische Betrachtung - Teil I  T A X
Würde - Von der besonderen und der allgemeinen und fundamentalen Würde des Menschen


Von der Gesellschaft einem Menschen zugebilligtes Ansehen, das der geschätzten Person als spezielle Qualität (verstanden als Eigenschaft) anhaftet.

Grund: Verdienst (auch Alter kann als solches betrachtet werden), ein Amt, soziale Stellung.

Eine Würde kann auch ausdrücklich und formell verliehen werden (z. B. Ehrenbürgerschaft).

Die jeweils zugestandene Würde steht für eine besondere gesellschaftliche Güte, Tauglichkeit.

Dieses Ansehen kann auch verloren gehen.

Würde ist stets sozial fundiert, auf Gesellschaft zurückbezogen. Die Achtung vor ihr kann verlangt, eingefordert werden.

Im Begriff der Würde drückt sich immer eine wechselseitige Beziehung zwischen dem Würdenträger, der geschätzten Person und der Gesellschaft aus.

Diesen Formen der Würde ist gemeinsam, dass sie erworben, gegeben, verliehen, zugesprochen wird, d. h. nicht von Geburt an vorliegt. (In vormodernen Gesellschaften konnte das anders sein, die Königswürde war im Prinzip vererbbar).

Immer drückt sich in diesen Erscheinungsformen der Würde eine besondere Wertschätzung aus, sie kann darin objektiviert als spezieller Wert, als soziale Kristallisation einer Wertschätzung durch die Gemeinschaft gesehen werden.

Würde, das wird deutlich, muss auf etwas beruhen, das sozial geschätzt und anerkannt wird und das den Träger auszeichnet. Und die Gemeinschaft weiß offenbar, dass sie auf solche Mitglieder angewiesen ist, durch die sie in ihrem Zusammenhalt und glücklichen Bestand gefördert wird.

Was also fördert die menschliche Gemeinschaft im Prinzip? - Die ontologische Grundverfassung des Menschen: Der Mensch als Person, der als Vernunftwesen in der Achtung vor dem Gesetz lebt (Freiheit)- Kant.

Edit: Bitte Teil II beachten!


AnnaCMander 22.09.2018 11:22 Würde des Menschen - eine sprachanalytische Betrachtung - Teil II  « T A X
Was also fördert die menschliche Gemeinschaft im Prinzip? - Die ontologische Grundverfassung des Menschen: Der Mensch als Person, der als Vernunftwesen in der Achtung vor dem Gesetz lebt (Freiheit)- Kant.

Ist die angeboren? Immer gegeben? Nein, auch sie ist geschichtlich entdeckt und zugesprochen, wir haben uns in unserer Kultur darauf verständigt. Und zu dieser Verständigung gehört auch, dass wir die Geschwächten, die Armen im Geist, Behinderte, Kinder, Demenzerkranke, mit einbeziehen, und wir behalten uns vor, auch anderes aus der bloßen Dinglichkeit herauszuheben und mit Würde auszustatten, denn wir sind es, die Menschen in der sozialen Gemeinschaft, die gelernt haben, Würde zuzusprechen.

Die geschichtlichen Entwicklungen, die dazu führten, die Menschenrechte zu formulieren, lassen sich im 18. Jahrhundert ausmachen. Sie sind eng verknüpft mit einerseits der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, zum anderen mit den Etappen der französischen Revolution und mit den vielen Autoren, welche die europäische Aufklärung vorangetrieben haben.

Man kann sehen: die Aufklärung war nicht plötzlich da, sondern sie hat sich seit dem Ausgang aus dem Mittelalter, ca. 15. Jhd., schrittweise als geistesgeschichtliche und politisch-gesellschaftliche Umwälzung entwickelt, an der übrigens auch Entwicklungen des christlichen Glaubens, der Theologie und der Kirchen teilhatten, mit einem unübersehbaren Höhepunkt im 18. Jhdt. Und der Erkenntnis, dass es sich um ein unabgeschlossenes Projekt bis in unsere Zeit und darüber hinaus handelt. Sehr bezeichnend für diesen stufenweisen Transformationsprozess ist das allmähliche Verschwinden der Folter, die bis dahin unangefochtenes Instrument der Verbrechensbekämpfung war.

Man könnte mit Verweis auf zahllose Belege (ganz exemplarisch: Cesare Peccaria, Strafe Und Verbrechen) sagen, dass es zur Entwicklung dieses Projekts der Moderne gehört, dem Menschen als Träger und Exekutor gesellschaftlichen Daseins überhaupt und als Quelle aller gemeinschaftlichen Praxis eine unverzichtbare, nicht verfügbare Würde als fundamentale Seinsverfassung zuzusprechen. Menschenwürde ist also zwar nicht angeboren, sondern jedem von Geburt an zuerkannt, sie ist geschichtlich kontingent, deshalb keineswegs in allen Kulturen gleichermaßen entstanden (China, Afrika). Und das bestätigt, dass sich die ontologische Verfassung des Menschen geschichtlich konstituiert, nicht einfach biologisch vorhanden ist.

Zu den bedeutsamen Folgerungen gehört auch, dass es der Mensch ist, der Würde verleihen kann: dem Leichnam, dem Dementen, dem Fötus usw., sogar dem Kunstwerk. Er vermag es, Vorhandenes aus der bloßen Dinglichkeit herauszuheben und zu sozialisieren.





Dornenkind 02.10.2018 22:47 Würde des Menschen - eine sprachanalytische Betrachtung - Teil II  « T A X
Der Neurobiologe Gerald Hüther beschreibt Würde als eine Art inneren Kompass, der (wenn ich ihn richtig verstanden habe) aus seiner Sicht sehr wohl angeboren zu sein scheint. Er vertritt die These, dass die Würde in dem Moment mehr und mehr verloren geht, wo wir Menschen einander als Objekt behandeln. Den genauen Wortlaut dazu findest du hier: www.wuerdekompass.de/in-wuerde-leben/was-ist-das-unsere-wurde
AnnaCMander 03.10.2018 11:53 Würde des Menschen - eine sprachanalytische Betrachtung - Teil II  « T A X
Danke für den Hinweis. Er gibt Gelegenheit, einige Bemerkungen zu den philosophischen Unzulänglichkeiten mancher Neurobiologen machen.

Zum Begriff der Menschenwürde (s. o.):

1. Eine soziale Wertschätzung , die auf einer Grundlage beruhen muss, aber auch nicht selbstverständlich sein kann.
2. Die Grundlage ist die Fähigkeit, sich in seinem Handeln nach dem "Gesetz" - kategorischer Imperativ - zu richten.
3. Was Kant hier "Gesetz" nennt, ist ein normatives Merkmal, das auf gemeinsame Praxis und Kooperation verweist und voraussetzt, dass das Subjekt auch anders handeln könne.
4. Der Würdebegriff impliziert also eine soziale Tauglichkeit - griechisch: arete (Platon, Aristoteles)- aufgrund deren dem Individuum der besondere Wert (für die gemeinsame Lebenspraxis) zugesprochen wird.
5. Das heißt, dass Würde ontisch kein biologisches, sondern ein kulturelles Merkmal ist, denn eine sozial begründete Tauglichkeit kann frühestens dem Geborenen oder dem Fötus zuerkannt werden.
6. Hinzukommt noch die Geschichtlichkeit des Begriffs, wie ich ihn oben entwickelt habe.
7. Ein Grundfehler ist, dass die menschlichen Gesellschaft biologisch begriffen wird und nicht verstanden ist, dass sie immer schon sozial verfasst ist - durch Normen, Erwartungen, Verpflichtungen, Wertsetzungen, Wünsche, Absichten usw., eben als geschichtlich situiertes gemeinsames Leben.

Natürlich lässt sich noch sehr viel mehr dazu erläutern.


Die offensichtlichen Mängel in der Argumentation des Textes: Er hat keinen klaren Begriff von Würde, allenfalls einen negativen, und sagt, was der Mensch nicht sein soll: Objekt. Die Argumentation des Artikels spricht hier wie überall von sozialer Praxis, ohne das selbst zu bemerken und zu thematisieren. Sie macht ständig von kulturellen Zuschreibungen Gebrauch, um diesen am Ende eine biologische Genealogie anzuhängen.

Besonders unsinnig ist die Vermischung normativer sprachlicher Ausdrücke ("inneres Bild" von dem, "was für ein Mensch jemand sein will" mit neurobiologischen Behauptungen in dem letzten Absatz. In diesem naturalistischen Reduktionismus behauptet sie nur, ohne jeden empirischen Beleg. (Dass wir nicht ohne tätiges Gehirn leben können, ist ein Truismus, wir können auch nicht ohne Lunge oder Herz leben.)

Dies gilt allgemein in Bezug auf Gerald Hüther.
namehelmut 04.10.2018 22:13 Würde des Menschen - eine sprachanalytische Betrachtung - Teil II  « T A X
das hab ich nicht verstanden..AnnaCMander..sorry
vorallem dieses :
Besonders unsinnig ist die Vermischung normativer sprachlicher Ausdrücke ("inneres Bild" von dem, "was für ein Mensch jemand sein will" mit neurobiologischen Behauptungen in dem letzten Absatz. In diesem naturalistischen Reduktionismus behauptet sie nur, ohne jeden empirischen Beleg. (Dass wir nicht ohne tätiges Gehirn leben können, ist ein Truismus, wir können auch nicht ohne Lunge oder Herz leben.)

kannste mir das übersetzen..bitte
AnnaCMander 05.10.2018 12:43 Würde des Menschen - eine sprachanalytische Betrachtung - Teil II  « T A X
Ich will es gerne versuchen. Dazu dieses Zitat:

"Aus neurobiologischer Sicht handelt es sich dabei um ein inneres Bild, also um ein in dieser Situation aktiv werdendes neuronales Verschaltungsmuster, das sehr eng an die Vorstellungen der eigenen Identität gekoppelt und damit zwangsläufig auch sehr stark mit emotionalen Netzwerken verknüpft ist. Es geht dabei um eine innere Vorstellung davon, was für ein Mensch jemand sein will."


Der Neurologe sagt hier etwas über neuronale Netzwerke, also komplexe Verknüpfungen von Nervenzellen. Nervenzellen reagieren durch elektromagnetische Impulse und chemische Vorgänge, die man im besten Fall identifizieren und in ihren Abläufen beschreiben kann, vielleicht in Form von Mustern, das ist aber kein "Verhalten", keine Tätigkeit, sondern physikalisch-chemisches Funktionieren. Ebenso ist es unzulässig, von einem inneren "Bild" zu sprechen, noch weniger von "Vorstellungen" von einem Menschen. Bilder, Vorstellungen sind mentale, bzw. geistige Phänomene, erst recht die Überlegung, "was für ein Mensch jemand sein will" - das ist ein normativ wertender Vorgang. Der Neurobiologe spricht hier über etwas, was innerhalb seiner wissenschaftlichen Beobachtung einfach nicht der Fall sein kann, er setzt voraus, was er gerne heraulslesen möchte, man nennt das innerhalb der Wissnschaftslogik eine petitio principii, ein ziemlich happiger Fehler, der aber unter Neurobiologen leider üblich ist. Das funktioniert so, dass sie bei der Beschreibung neuronaler Vorgänge zu mental-geistigem Vokabular greifen, obwohl sie in ihrem Veruchsinstrumentarium immer nur das Beobachtbare sehen und messen können. Ob es womöglich Korrespondenzen, Entsprechungen gibt, (was dann aber keine reale Gleichheit wäre) und worauf die beruhen könnten, ist bisher völlig unklar.

Um es noch einmal in Kürze zu sagen: Der Punkt ist, dass Neuronen keine "Bilder" oder "Vorstellungen" haben, dass sie nicht etwas "wollen" können usw. Ich, nicht die Neuronen, kann etwas wollen, bewerten, Vorstellungen entwickeln, denken usw. Die Sphäre des Mentalen, Geistigen, Sprachlichen ist eine andere Realität als physikalisch-chemische Aktivität, die gemessen und nachgewiesen wird.

Das bedeutet, dass in dem angeführten Text Geistiges ohne jeden empirischen Beleg auf Physikalisch-Chemisches reduziert wird. Das beruht meistens auf einer wissenschaftstheoretischen - philosophischen - Unkennntnis.
Bearbeitet am 06.10.2018 07:57 von AnnaCMander 
HamburgerSportVerein 29.10.2018 21:21 Würde des Menschen - eine sprachanalytische Betrachtung - Teil II  « T A X
Würde, Anna, ist subjektiv..
Man kann da ganz viel herum reden, diskutieren, beleidigen etc usw

Würde kann man nicht einfordern, veranstalten, herbeireden und herbei "foltern"...
Würde ist einfach da und wird sofort von den Menschen (den freien und würdigen) erkannt und gefeiert/geliebt...
Würde ist eine wundervolle Ebene, über die sich die Menschen evtl gemeinsam alle versammeln könnten..
Lasst uns alle gemeinsam die Würde feiern ... ihr Lieben...
 ·  AnnaCMander 31.10.2018 10:20 Würde des Menschen - eine sprachanalytische Betrachtung - Teil II  « X
"Würde ...ist subjektiv."

Die Analyse (s. o.) zeigt, dass das eben nicht der Fall ist.

Ich vermute, dass du mit dem Wort Würde hier etwas ganz anderes meinst, vielleicht im Sinn von würdevollem Verhalten oder Habitus, jemand kann sich würdelos, z. B. lächerlich, oder würdevoll geben. Das ist in dem Thread, wenn von Menschenwürde die Rede ist, nicht gemeint.
Bearbeitet am 01.11.2018 13:22 von AnnaCMander 
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