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Philosophie

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Eloise 02.03.2019 19:55 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  T A X
...so hieß ein Buch, was ich heute in der Hand hatte.
Und da macht man sich so ein bisschen Gedanken.

Ich würde:
a) zu einer Person sagen: ich liebe dich.
b) Mutter anrufen.
c) mein Vermögen verteilen. Geld für meine Vermieter, die die Wohnung räumen müssen, CDs und Platten an die jeweiligen Liebhaber usw.
d) alle Accounts in Social Networks löschen.
e) mich überall abmelden, bei Behörden und so. Abhängig davon, ob man den letzten Tag schon im Voraus wusste.
f) und dann den ganzen Tag entweder mit der Bahn herumfahren oder in ein supernobles Hotelzimmer gehen und dann darauf warten.

Falls jetzt einer fragt, warum nicht jetzt schon?
a) will die Person das garantiert nicht hören,
b) ist unser Verhältnis nie emotional und liebevoll gewesen, deshalb gehört b) zu Aufschieberitis,
c) - f) ich muss ja noch vielleicht 40 Jahre, wer weiß das schon.

Und was würdet ihr so machen?
Bearbeitet am 02.03.2019 19:56 von Eloise 
LadyAntebellum 03.03.2019 12:59 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Wenn ich mir den letzten Tag aussuchen könnte würde ich ihn so verbringen wie meinen Geburtstag heute vor zwei Wochen:

mit meinen Lieblingsmenschen im Park Frisbee spielen, Eis essen, viel lachen, mit meinem Enkelkind rumalbern, die Sonne genießen und einfach nur glücklich sein ....

(zu b) ich dachte bisher, nur ich hätte so ein "gestörtes" Verhältnis zu meiner Mutter, es ist beruhigend das jetzt auch von dir zu lesen)
 ·  Eloise 04.03.2019 09:52 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « X
Ich kenne mehrere Frauen, bei denen das so ist. Möglicherweise ist das eher die Regel als die Ausnahme... bei Frauen. Bei Männern soll es genau anders herum sein. Aber dann hätte man als Frau doch eine enge Vaterbindung haben müssen? Nun ja...
Eloise 04.03.2019 21:45 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Ich, weil ich da einen kenne, bzw. zwei, die nie wirklich ausgelastet sind *hust*
Und schicken muss auch nicht sein... DHL und Konsorten sind eh überlastet, weil ja jeder jeden Scheißbenkleister online bestellen muss...
er kann ja auch laufen :-)
 ·  sophisticate 06.03.2019 19:18 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « X
Da hast Du etwas völlig missverstanden! Die fiktive Vorstellung, wie ich meinen letzten Tag verbrächte, kennte ich ihn schon, ist nicht Sache irgendeines "unausgelasteten" Mannes, sondern meine. Merasogini!
Bearbeitet am 06.03.2019 20:35 von sophisticate 

AnnaCMander 04.03.2019 10:35 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Kommt da ein Anruf? Von wem?

Konkret: Ich sitze (in einem Land mit Todesstrafe) im Knast - dann kommt vielleicht ein Pfarrer und ich kriege eine letzte Mahlzeit (USA), oder ich bin sehr alt und längst dabei zu sterben, vielleicht im letzten Stadium einer Krankheit, dann bekomme ich hoffentlich wenigstens eine ausreichende Dosis Morphium; in allen diesen Fällen hätte ich wohl längst das Nötige und Mögliche getan und gesagt. Und will nicht Frisbee spielen.

Sterben, das weiß man heute, ist ein langer Prozess, der sich über Monate und Jahre hinziehen kann.

Vielleicht könnte es um eine andere Frage gehen: Was ist mir wichtig in meinem Leben? Wie könnte, sollte ich es ändern, damit ich auch bei einem plötzlichen Tod mit mir im Reinen sein kann? Das ist dann ein Teil des Sterbens, der lange vor den letzten Stunden liegt und viel früher, mitten im Leben, beginnt.
Eloise 04.03.2019 12:12 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Ich verstehe schon, was du meinst. Ich räume in unregelmäßigen Abständen immer mal mein Leben auf. Im Moment ist nur das mit Mutter offen.
Was könnte denn wichtig sein? Für mich sind es zwei Dinge: Liebe und Wissen. Das sind die einzigen Dinge, die man mitnehmen kann. Obwohl das mit dem Wissen nicht so relevant ist, weil man später Zugriff auf alles hat... die Erde ist eine Schule. Übrig bleibt die Liebe zu allem und allen. Freundlichkeit und Höflichkeit. Respekt und Toleranz. Aber auch Grenzen setzen, um anderen die Möglichkeit zu geben, selbst zu wachsen.
AnnaCMander 04.03.2019 13:18 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Ich wollte darauf aufmerksam machen, dass die Ausgangsfrage keinen rechten Sinn ergibt, denn das Leben ist immer konkret, d. h. in faktische Situationen eingebunden, durch die die Art und Weise des Sterbens (also des "letzten Tages") mitbestimmt wird. Da kommt nicht plötzlich eine Stimme, die sagt: Jetzt hast du noch 24 Stunden, mach was draus. Es ist genau umgekehrt, das Mach-was-draus gilt, genau genommen, jeden Tag in jeder Stunde, ohne besonderen Zuruf. Und dazu verhalten wir uns auch. Das ist, wie ich finde, das Bemerkenswerte.
Eloise 04.03.2019 15:44 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Ja, man sollte schon an jeder Stelle seines Lebens achtsam sein und gucken, ob man nicht besser werden / etwas besser machen kann.
Die Frage war ursprünglich nicht meine Frage, sondern ein Buchtitel. Und dieses wurde von einem Geistlichen geschrieben. Ich habs nicht gelesen, aber sollte mir das wieder unterkommen, schau ich mal, ob nicht am Ende steht: vertrau auf Gott. Manchmal geht wirklich nur noch das.
AnnaCMander 04.03.2019 17:34 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Ja, ich verstehe, der Titel eines Buches - wer weiß, was drin steht. Ich möchte aber noch eine kleine Anmerkung zu deinem Beitrag machen: " ... ob man nicht besser werden / etwas besser machen kann ..." Da wir schon mal dabei sind, zu fragen, wie man leben und sterben kann, denke ich, dass es nicht unbedingt darum geht, wie ich besser werden kann, sondern eher um die Frage, wer ich jeweils sein will. Es ist der Sinn, den ich meinem Leben gebe, und dafür gibt es keine externen Bewertungskriterien nach gut uoder weniger gut. Es entscheidet sich - ich entscheide mich - in jedem Augenblick meines Tuns und Lassens, und dies geschieht für gewöhnlich ohne alle Dramatik. Ob ich mich zu irgendetwas Schwerem überwinde oder Frisbee spiele, es ist in Ordnung, wenn es in der konkreten Situation für mich passt und ich mich darin wiederfinde oder ausdrücke. Ich verhalte mich zu ihren Aspekten und kann mein Bewusstsein dafür trainieren, wenn ich will.
Eloise 04.03.2019 21:42 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Wer ich sein will, das kann man wohl noch definieren... wer ich bin, schon schwieriger...
Der Sinn, das ist wohl die Frage der Fragen. Ideal, wenn jeder bis zu seinem letzten Tag den Sinn für sich gefunden und rückblickend auch gelebt hat.
 ·  AnnaCMander 05.03.2019 08:04 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « X
"Der Sinn, das ist wohl die Frage der Fragen. Ideal, wenn jeder bis zu seinem letzten Tag den Sinn für sich gefunden und rückblickend auch gelebt hat."

Das ist ein verbreitetes Missverständnis - dass Sinn ("Sinn des Lebens") abstrakt definiert werden müsste. In der Lebenspraxis entsteht Sinn unmittelbar durch mein und in meinem Tun. Handeln heißt: Sinn für mich realisieren. Sinn ist kaum "die Frage der Fragen", sondern der mental reale Kern jeden Tuns, Praxis, nicht Begriff. Natürlich kann ich mein Tun nachträglich auf seine Qualität oder Angemessenheit hin überprüfen. Aber erst einmal ist es mit seinem beabsichigten, von mir erzeugten Sinn faktisch gegeben. Und damit bin ich zugleich auf den, der ich jeweils bin, festgelegt. Ich bin immer die Summe meines Handelns und Denkens, und wenn ich wissen will, wer ich bin, muss ich meinen Blick rückwärts richten und mir mein Leben aus der Erinnerung erzählen. Deshalb lieben wir Romane, weil sie Erzählungen sind von dem, wer wir sind und sein können.

Menschen sind Sinn erzeugende Wesen, und zwar alle, jeder, das unterscheidet uns von Tieren und Pflanzen.
Bearbeitet am 05.03.2019 10:22 von AnnaCMander 

clock 04.03.2019 12:20 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Karma (n., Sanskrit: Stamm: कर्मन् karman, Nominativ: कर्म karma, Pali: kamma „Wirken, Tat“) bezeichnet ein spirituelles Konzept, nach dem jede Handlung – physisch wie geistig – unweigerlich eine Folge hat. Diese Folge muss nicht unbedingt im gegenwärtigen Leben wirksam werden, sondern sie kann sich möglicherweise erst in einem zukünftigen Leben manifestieren.

In den indischen Religionen ist die Lehre des Karma eng mit dem Glauben an Samsara, den Kreislauf der Wiedergeburten, verbunden und damit an die Gültigkeit des Ursache-Wirkungs-Prinzips auf geistiger Ebene auch über mehrere Lebensspannen hinweg. Im Hinduismus, Buddhismus und Jainismus bezeichnet der Begriff die Folge jeder Tat, die Wirkungen von Handlungen und Gedanken in jeder Hinsicht, insbesondere die Rückwirkungen auf den Akteur selbst. Karma entsteht demnach durch eine Gesetzmäßigkeit und nicht wegen einer Beurteilung durch einen Weltenrichter oder Gott: Es geht nicht um „Göttliche Gnade“ oder „Strafe“. Nicht nur „schlechtes“ Karma erzeugt den Kreislauf der Wiedergeburten, sondern gleichermaßen das „Gute“. Letztes Ziel ist es, überhaupt kein Karma mehr zu erzeugen.

aus Wikipedia

Praktisch musste also ein Neutrino sein auch dir selbst gegenüber.
Als ximig Mitglied nicht erreichbar !!
Also logische Schlußfolgerung:
Wenn du erreichen willst einen letzten Lebenstag zu haben, musste dich vom ximig abmelden.

Eloise 11.03.2019 11:36 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Die Lehrerin war des Mittelalters und von den vorderen Reihen schon ziemlich fertig. Ich saß ganz hinten, weil ich immer so gut und ein Selbstläufer war *engel* Und ich würde nie zu einem Russen IDIOT sagen, höchstens: komm, Brüderlein, trink!
Nu ja, dann haste aber Glück, dass du kein Deutscher bist... bestimmt bist du nur einsfünfundvierzich groß und im Garten ist ein Loch, da wo du immer standest *versteck*

 ·  clock 16.03.2019 18:57 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « X
Red 7 ?
Sind das diese Typen die sich ständig verfolgt fühlen wenn sie in einer Demonstration mitlaufen oder überall Kritik an ihrer herrlichen Person wittern ?
Sollen ja angeblich mit besonders witzigen und inhaltsreichen ,völlig kindisch freien Postings im ximig aufgefallen seien.
Ja , ja paar von der Sorte ( eigentlich nur ein sensationelles Paar) behaupten sogar sie hâtten ximig übernommen.
Könnte von y stammen diese These.
*weglach-m**party*
Bearbeitet am 16.03.2019 21:11 von clock 
 17.03.2019 12:20  « T A X
Dieser Beitrag wurde gesperrt.

Ekkard 13.03.2019 23:58 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Ich würde mit meiner Frau und meiner Tochter den Tag auf einem Waldspielplatz verbringen.

Wir leben von einem Herzschlag zum nächsten, und wenn der nächste nicht mehr kommt ist es vorbei. Den ersten Schulfreund verlor ich mit 23. Herzinfarkt, einfach so. Ein anderer wurde mit 30 morgens nicht mehr wach.
Die Reihen lichten sich, es hört erst auf wenn keiner mehr da ist.

Schiebe deine Liebeserklärung nicht zu lange hinaus und melde dich bei Menschen mit denen der Kontakt verloren ging wenn du wirklich etwas klären möchtest.
Ich habe es gemacht.
Das Leben hatte ein Einsehen mit mir und gab mir nach 20 Jahren Suche eine Adresse zurück in die Hand und genügend Glückshormone ins Blut um gar erst nicht darüber nachzudenken ob ich mich nach so langer Zeit bei der Dame entschuldigen sollte oder nicht. Ich tat es einfach, und wurde mit einer Antwort bedacht, die alle Schuld von mir abfallen lies.
Hier nachzulesen
Mit meiner Familie hatte ich auch schon Streit, es schwiegen die Telefone. Aber einer muß anfangen wenn der Kontakt wieder zustande kommen soll. Da geht es nicht mehr darum wer Schuld hat oder wer angefangen hat, es geht um einen Neuanfang bei dem man sich auf Augenhöhe begegnet. Freunde kann man sich aussuchen, aber Familie, das sind die, mit denen man verbunden ist, ob man will oder nicht. Geb dir 'nen Ruck, und grüße deine Mutter herzlich von uns allen.
AnnaCMander 14.03.2019 20:59 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Man könnte dies als Antwort auf die Frage verstehen, was einer getan haben wollte, wenn er gewahr wird, dass dies der letzte Tag in seinem Leben gewesen ist.

Jeder erinnert sich vielleicht, wenn er nachschaut, an einen Kontakt, der verloren gegangen ist, und es sieht bei jedem nach etwas anderem aus., Kontakt zu jemandem, Kontakt zu einem bedeutsamen Ereignis, einer Fähigkeit.
Ekkard 16.03.2019 15:13 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Im allerletzten Augenblick also? Das könnte arg enttäuschend werden wenn beim allerletzten Telefonat keiner rangeht...

Die Frage die sich aus der Frage für mich ableitet ist: Warum mit solch persönlich wichtigen Dingen warten bis zum letzten Tag?
Die Chance (oder Last, je nach Blickwinkel) zu wissen wann das eigene Leben endet bekommt nicht jeder. Wenn die Ärzte einem noch 6 Wochen geben, ab wann fängt man an mit seiner inneren ToDo-Liste? Und bei 6 Monaten?
AnnaCMander 16.03.2019 16:31 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Sicher, das kann daraus folgen, wenn man die Frage wie oben stellt - und eben nicht, wie im Eingangsbeitrag, erst am letzten Tag. Es ist, anders herum, eine Möglichkeit, herauszufinden, was mir wirklich wichtig ist, so dass es vielleicht bei Zeiten getan werden kann. So, wie du es ja beschreibst.
Bearbeitet am 16.03.2019 16:57 von AnnaCMander 
Ekkard 16.03.2019 17:50 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Ja, die Eingangsfrage hilft, sich selbst bewusst zu werden, wichtiges von unwichtigem zu trennen. Interessant, daß positive zwischenmenschliche Aktionen in diesem Moment wichtig werden. Ist das unsere Erziehung, die Aussicht auf jede Menge Glückshormone im Hirn oder am Ende ein uraltes Verhaltensmuster, das uns davor bewahren sollte gefressen zu werden wenn wir schwach sind?
Ekkard 16.03.2019 18:42 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Hmm, einer Person, die nichts davon ahnt zu gestehen wieviel man für diese Person empfindet, das hat aus meiner Sicht nichts mit der Übernahme von Verantwortung zu tun, sondern eher damit, die Wahrheit zu sagen. Aber auch das wäre vielleicht einen anderen Thread wert.
AnnaCMander 19.03.2019 07:37 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Vom "Selbstbild" ist nicht die Rede, das hat wissenschaftstheoretisch längst abgedankt und ist aus der Mode. Vielleicht helfen meine ersten Beiträge, vor allem der vierte:

"Das ist ein verbreitetes Missverständnis - dass Sinn ("Sinn des Lebens")
abstrakt definiert werden müsste. In der Lebenspraxis entsteht Sinn
unmittelbar durch mein und in meinem Tun. Handeln heißt: Sinn für mich
realisieren. Sinn ist kaum "die Frage der Fragen", sondern der mental reale
Kern jeden Tuns, Praxis, nicht Begriff. Natürlich kann ich mein Tun
nachträglich auf seine Qualität oder Angemessenheit hin überprüfen.
Aber erst einmal ist es mit seinem beabsichigten, von mir erzeugten Sinn
faktisch gegeben. Und damit bin ich zugleich auf den, der ich jeweils bin,
festgelegt. Ich bin immer die Summe meines Handelns und Denkens, und wenn
ich wissen will, wer ich bin, muss ich meinen Blick rückwärts
richten und mir mein Leben aus der Erinnerung erzählen. Deshalb
lieben wir Romane, weil sie Erzählungen sind von dem, wer wir sind und
sein können.

Menschen sind Sinn erzeugende Wesen, und zwar alle, jeder, das
unterscheidet uns von Tieren und Pflanzen."
Bearbeitet am 19.03.2019 11:01 von AnnaCMander 
Ekkard 19.03.2019 23:24 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Dann ist der "Sinn des Lebens" den so viele suchen die Summe aller sinnbringenden Handlungen, auch wenn sie zusammen betrachtet für den äußeren Betrachter keinen durchgehenden Sinn ergeben, ja nicht einmal ergeben können?

Vom letzten Augenlick aus rückwärts betrachtet kommen wahrscheinlich keine Zweifel mehr auf. Alle Widersprüche sind längst mit Begründungen versiegelt, wir stehen irgendwo und erklären das rückwirkend zum Ziel der Reise. Rückblickend sehen wir klar eine ununterbrochene Abfolge von Ereignissen, deren Abfolge, als sie sich ereignete, gar nicht so klar erkennbar war. Aber es muß für uns sinnbringend gewesen sein, denn es brachte uns ja einen Schritt weiter.

Nichts für ungut, aber wer kennt die Gedankenwelt aller Lebewesen, daß er Sinn einzig den Menschen zuspricht? Klingt fast wie etwas aus der Bibel...
AnnaCMander Gestern, 10:08 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Ich verwende diese Formulierung "Sinn des Lebens" nur ungern und mit großem Vorbehalt. Der Sinn des Lebens ist, es zu führen, und es kommt überhaupt nicht darauf an, ob ein "äußerer Betrachter" aus einem ihm fremden Leben einen Sinn, der womöglich auch noch ein zusammenhängendes Ganzes ergeben soll, erkennen kann, auch könnte das, wie gesagt, allenfalls im Rückblick, indem ich mir mein Leben jeweils in der Erinnerung erzähle.

Meine Aussage ist,, dass jeder Mensch in seinem alltäglichen Tun und Lassen für sich diese Frage - wenn es denn eine sein soll - beantwortet, indem er das tut oder lässt, was für ihn in diesem Moment richtig und passend ist. D. h. im alltäglichen Leben geht es nicht um eine theoretische Erörterung des Lebenssinns, sondern um die faktische Produktion eben dieses Sinns im Tun oder Handeln

Trotzdem hakst du an einem Punkt ein, der für Viele irgendwie beunruhigend ist, wenn du nach dem "durchgehenden Sinn" fragst. Den gibt es und gibt es nicht. Zunächst mal ist festzustellen, dass du, bei der Vorstellung, was mit "Sinn" gemeint ist, einer von Aristoteles ausgearbeiteten Konzeption folgst, die auch heute noch in weitem Umfang üblich ist. Wenn Leben ein ständiges Verhalten ist, so kann man nach Arstoteles von Verhalten nicht sprechen, ohne immer zugleich auch ein Ziel (griechisch telos) des Verhaltens mitzudenken, dabei geht es nicht um die Frage, ob dies vernünftig oder triebhaft ist. Als frei, einem freien Willen folgend, gilt dabei jedes Verhalten, das sein Ziel erreicht. In diesem Sinn teleologisch ausgerichtet, kann im Prinzip die ganze Natur (physis), also auch das Tier- und Pflanzenreich verstanden werden. Alles Verhalten der lebendigen Wesen ist absichtsvoll, teleologisch, dh. Insofern sinnvoll. Und menschlices Handeln erst recht.

Allerdings hat sich bei uns, spätestens seit Kant, vor allem aber Hegel, Wittgenstein und Heidegger und anderen modernen Denkern die Auffassung durchgesetzt, dass wir Menschen, als schon immer in einem Raum gemeinsamer sozialer Praxis, dh. in Gesellschaft lebend, nicht einfach blind irgendwelchen unkonrollierten Absichten folgen, sondern handeln und dass dieses Handeln vernunft- und sprachgeleitet ist. Was wir unter Sinn verstehen, geht also weit über die aristotelische Auffassung hinaus. Sinn in menschlichem Handeln ist zwar oft durch bewährte Gewohnheit gesteuert, will sich grundsätzlich aber durch sprachlich artikulierbare Gründe rechtfertigen. Und das gilt im Prinzip für jedes Tun im Einzelnen, es schließt aber gewiss nicht aus, dass das Tun eines Menschen in größeren Zusammenhängen keineswegs konsistent, sondern sehr widersprüchlich sein kann. Letzteres ist wohl die Norm und macht die Bedeutung von Erinnerung, rückwirkender Erzählung und Reflexion erst einleuchtend.

2. Teil folgt als Antwort :)
 ·  AnnaCMander Gestern, 10:10 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « X
Fortsetzung!
Dh. von Sinn ist hier gleich in dreierlei Hinsicht die Rede: zum einen in der aristotelischen Bedeutung, die aber für unser spezielles Anliegen nicht mehr zielführend ist, auch wenn sie Tier- und Pflanzenwelt mit einschießt, dann in der umfassenden Weise eines Lebenssinns alles in Allem und im Ganzen, der womöglich noch external (religiös, ideologisch oder philosophisch) vorgegeben und formulierbar wäre - den vertrete ich hier nicht - , und schließlich in der Weise, dass ich in allem Tun aus dem Horizont meiner Möglichkeiten das zur Wirklichkeit bringen will, was mir jetzt, in dieser je konkreten Lebenssituation als das Passende, Richtige erscheint, dass ich also diesen Sinn meines Handelns in diesem Augenblick produziere. In der Kontinuität meines alltäglichen Tuns ist also die ständige Realisierung von Sinn am Werk, und zwar zumeist ganz unthematisiert, nicht eigens reflektiertert und trotzdem jederzeit durch Gründe geleitet oder erreichbar. Mit anderen Worten, wir sind sprechende, denkende Wesen, das unterscheidet uns.

Eloise 17.03.2019 11:56 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Hallo Ekkard,

danke für den Eintrag. Habe das unterwegs gelesen und dann vergessen... aber dafür gibt es ja den Forenkorb.

Ja, deinen Thread hatte ich schon gelesen. Es ist bei euch anders gewesen... du hast eine Frau, die dich bei einer eventuellen schlechten Nachricht aufgefangen hätte. (Sie muss großartig sein, wenn sie von der Aktion angetan war.)
Außerdem schriebst du, dass bei euch schon irgendetwas Reales im Gange war, was dich belastet hat... etwas, was zeitlich schon geschehen war. Auch das ist anders.

Es ist toll, dass du es geklärt hast und zu einem guten Ende gekommen warst. In meinem Fall gibt es keinerlei Anzeichen, dass es gut aufgenommen werden würde. Wenn man jemanden mag, möchte man doch mit ihm/ihr von sich aus Zeit verbringen. Muss man denn wirklich alles klären? Manchmal ist schweigend darüber weggehen, sich umschauen und sich ansonsten nur noch um sich selbst kümmern das Beste... vom Verstand her.

Auch bei mir sind schon einige weg, aber nie war mein Herz wirklich dabei. Das betraf sogar den Vater. Bei Mutter wird es nicht anders sein. Der Bruder ist mir sowieso fremd. Wenn du ein paarmal vor der Tür stehst und kein Kontakt gewünscht wird (die Eltern hat er nichtmal reingelassen), bleibst du irgendwann weg.
Es ist egal. Dieser Mensch ist egal. Aber der Platz des Bruders, der nicht besetzt ist, um diesen Platz trauere ich.

Ich lernte vor kurzem eine Tante kennen. Meine Mutter wollte mit den Geschwistern meines Vaters keinen Kontakt und hatte alle schlechtgeredet. Es gibt noch mehr Verwandte, die ich nicht kenne, die leider alle weit weg sind. Diese Tante sagte aber, und das erstaunte mich sehr, dass unsere ganze Familie komisch sei - außer mir. Ich habe einen Verdacht... manchmal sind die Dinge anders, als sie scheinen. Vielleicht KANN man Dinge auch gar nicht klären, weil die Gegenseite dazu nicht in der Lage ist... weil ihr Rezeptoren dafür fehlen.
Ekkard 17.03.2019 16:14 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Hallo Eloise,
es ist traurig, zu lesen wie es um deine Familie steht. Aber du bist nicht allein. Verwandte die jeglichen Kontakt abblocken, das kenne ich auch. Einer davon ist mein Vater. Mit 10 sah ich ihn das letzte mal, er hat wieder geheiratet und ist mittlerweile tot. Wir waren nur eine lästige Erinnerung für ihn, Ballast aus der Vergangenheit. Würde ich ihn heute treffen, ich wüsste nicht worüber ich mit ihm reden soll. Er war mir nie so nah daß ich ihn als meinen Vater sah.
Streit unter Verwandten ist mir ebenfalls vertraut. Als es was zu erben gab haben sich die Geschwister meiner Mutter zerstritten. Als Kind habe ich das akzeptiert, später habe ich meine Onkel und Tanten die das wollten wieder besucht, egal wer mit wem Streit hatte. Das hat vielleicht auch geholfen die Geschwister wieder etwas näher zusammen zu bringen. Mittlerweile sind einige tot, aber mit zwei Cousins habe ich seit kurzem wieder Kontakt.

Die junge Frau die ich damals kennenlernte schrieb mir in ihrer E-Mail nach 20 Jahren, sie hätte meine Signale zu lesen gewusst. Bei dir scheint der Fall anders zu liegen. Wenn die Person für die dein Herz schlägt gar nichts ahnt, dann wird es nicht so leicht. Mein Ansatz, einen Brief zu schreiben ist schon sehr direkt. Wie wäre es für den Anfang mal mit einer Tasse Kaffee auf neutralem Gebiet, in einem Cafe?
Und wenn du dich nicht dazu durchringen kannst?
Nach ihrem "Nein" hat es mir sehr geholfen zu sehen daß es wenigstens ihr gut ging. Ich erinnere mich daran daß sie mit Freundinnen auf dem Weihnachtsmarkt Schmuck probierte und ausgelassen herumalberte. Ein versöhnliches Bild zum Abschied. Kurz darauf verloren wir uns aus den Augen.
Inzwischen begreife ich, wie wichtig die Begegnung mit ihr für mich war

Ich wünsche dir viel Kraft, die richtigen Entscheidungen zu treffen
Eloise 18.03.2019 11:08 Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest...  « T A X
Hallo Ekkard,

das mit deinem Vater ist aber auch traurig. Ein Vater dient doch zur Identitätsfindung für einen kleinen Jungen. Auch die Erbschaftsstreitigkeiten kenne ich. Als Oma starb, wollte sich mein Bruder (der bei ihr aufgewachsen war) das Erbe erschleichen. Das hat nicht funktioniert. Aber seitdem meidet er uns. Egal...
wir wissen nicht, warum Dinge sind, wie sie sind. Vielleicht kommt ja durch zehnmal Nein irgendwann das große, richtige Ja.
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