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ybacu 28.05.2019 21:46 Verwechseln von Wissen und Meinung  T A X
Mir scheint heutzutage verwechseln viele (oder zunehmend mehr) Leute Wissen und Meinung - und das ist eins der Probleme in unserer Gesellschaft heutzutage (siehe Brexit, AfD, Leugner des Klimawandels, Impfskeptiker .....) ...

(Zugegebener maßen nicht mein eigener Gedanke sondern aus der Folge "Mehrheitsprinzip" der TV-Serie "The Orville")
Ekkard 13.06.2019 21:29 Verwechseln von Wissen und Meinung  « T A X
Eine Diskussion über unbegründete Meinungen? Was soll denn dann der Inhalt der Diskussion sein?
Jeder wiederholt bis zum erbrechen seine Meinungen? Das wäre ja wie...wie...wie eine Polit-Talkshow!
temptation 13.06.2019 21:55 Verwechseln von Wissen und Meinung  « T A X
Ich muss mich doch für meine Meinung nicht rechtfertigen, denn genau das wäre es, wenn ich sie begründen soll. Man kann meine Meinung lesen und kann, aber muss sie nicht mit mir teilen.
 ·  Jessup 14.06.2019 10:15 Verwechseln von Wissen und Meinung  « X
Ich denke mal, der Thread-Start ist ja eher vereinfacht formuliert. Zwischen Wissen (Faktenlage/gesicherte, beweisbare Informationen) und Meinung (persönliche Interpretation der verfügbaren Informationen) gibt es IMHO noch andere Aussagevarianten, wie z.B. Erfahrung (ungesicherte, nicht beweisbare Informationen), Vermutung (alternative Interpretation), Gefühl (unbegründbare/schwer vermittelbare Reaktion), logische Aussage (zwingende Konsequenz aus zusammengeführten Informationen), ...

Problematisch ist in einer Diskussion m.M.n., dass die meisten Teilnehmer ihre Aussage nicht eindeutig zuordnen. So sind die anderen Teilnehmer logischerweise gezwungen, neben Inhalt auch die Aussagevariante zu interpretieren, was wegen der persönlichen Sprachstile oft fehl schlägt. Ein Nachfragen zur Aussagenvariante ist vermutlich für viele keine unmittelbare Option. Und wenn dann noch ein persönlicher Gefühlstrigger in der Aussage vorkommt, verlässt der Betroffene meist die sachliche Diskussionsebene und merkt es oft genug nicht selbst.

DoitDada 14.06.2019 19:29 Verwechseln von Wissen und Meinung  « T A X
Wenn man seine Argumente nicht teilen oder bekanntgeben will, kann man seine Meinung auch für sich behalten. Und wenn man seine Meinung öffentlich macht, dann sollte man sich nicht wundern, wenn Argumente eingefordert werden.
temptation 16.06.2019 16:27 Verwechseln von Wissen und Meinung  « T A X
Wenn jemand ein Thema aufgreift und fragt in die Runde: "Was meint ihr dazu?" und ich sage MÖP und nichts weiter, was ist daran jetzt so falsch? Aber jeder kann natürlich seine Argumente, die zu seiner Meinung geführt haben, kundtun, aber man muss eben nicht. Und manchmal kann man seine Meinung auch gar nicht erklären, weils einfach so ist.
 ·  ybacu 16.06.2019 21:17 Verwechseln von Wissen und Meinung  « X
erstmal gar nichts - u.U. wirst du NAchfragen bekommen für eine Diskussion wäre es sinnvoll und schön wenn du dann argumentativ antwortest
DoitDada 17.06.2019 16:59 Verwechseln von Wissen und Meinung  « T A X
Eine Diskussion ist ja idealer Weise ein Austausch von Gedanken, die wiederum zu einer Meinung führen bzw. diese begründen. Und manchmal führen gute Argumente sogar dazu, dass jemand seine Meinung ändert. Aber wie soll ich an deinen Gedanken teilhaben (und mich idealer Weise deiner Meinung annähern), wenn du sie nicht teilst?

In mir wohnt auch die eine oder andere Meinung, die auf einem Bauchgefühl oder einer moralischen Konstante (einem Weltbild) gründet, die ich zwar nicht vernünftig begründen, aber zumindest erklären kann, warum ich so denke. Und im Idealfall werde ich dann verstanden. ;-)
Bearbeitet am 17.06.2019 16:59 von DoitDada 
DoitDada 18.06.2019 10:37 Verwechseln von Wissen und Meinung  « T A X
Der absolute Idealfall wäre, mich einer konträren Meinung durch gute Argumente anzuschließen. Passiert aber zugegebenermaßen selten. Jemanden mit konträrer Auffassung zu "verstehen", ist eine kleinere Hürde, denn: Deine Sichtweise zu verstehen, muss ja nicht zwingend heißen, dass ich deinen Standpunkt teile. Aber es schafft in vielen Fällen gegenseitige Akzeptanz.
Bearbeitet am 18.06.2019 10:38 von DoitDada 
DoitDada 23.06.2019 18:39 Verwechseln von Wissen und Meinung  « T A X
Es geht natürlich auch darum, wie eine Meinung vertreten bzw. begründet wird. Nehmen wir ybacu: In vielen Punkten ähneln sich unsere - seine und meine - Meinungen, aber: Dennoch widerspreche ihm häufig, weil mich die Art und Weise, wie er seine Meinung vertritt, auf die Palme bringt. Wenn eine von mir eigentlich geteilte Meinung aus meiner Sicht unzureichend oder falsch begründet wird, kann ich nicht einfach "stimmt!" sagen.
Da ist mir dann schon jemand, der völlig anderer Meinung ist, aber diese schlüssig begründet, weitaus näher. Ein Konsens leitet sich eben nicht nur aus gleichen Meinungen ab, sondern aus meiner Sicht vor allem durch ein gemeinsames Verständnis bzw. Verstehen: also so etwas wie Toleranz, einen gemeinsamen Wertekanon. Man kann auch völlig unterschiedlicher Auffassung sein - und dennoch zu einem Konsens kommen. Wenn man das wirklich will, ist das eigentlich leicht möglich.
temptation 26.06.2019 19:46 Verwechseln von Wissen und Meinung  « T A X
Da geb ich dir grundlegend schon Recht, aber kann man nicht einfach eine Meinung haben, diese Kundtun, ohne sie bis zum erbrechen zu diskustieren? Oftmals ist es so, dass vieles "kaputt" diskutiert wird und das möchte ich nicht. Von daher, wäre es doch auch tolerant, das einfach so zu akzeptieren ... oder?
 ·  DoitDada 27.06.2019 13:59 Verwechseln von Wissen und Meinung  « X
Toleranz erfordert Verstehen oder zumindest Verstehen-Wollen. Wenn mich jemand also einfach mit einer Meinung, die ich nicht verstehe, weil sie nicht erklärt wird, konfrontiert, dann ist das mit dem Verstehen-Wollen schwierig. Und es erhöht sicher auch nicht die Akzeptanz.

Und wie schon gesagt: Wenn man es vermeiden will, dass die eigene Meinung nicht "kaputtdiskutiert" wird, sollte man sie nicht zur Diskussion stellen. Für eine Meinungsumfrage wäre eine nicht näher beründete Meinungsäußerung aber natürlich akzetabel. :)

 ·  AnnaCMander 27.06.2019 18:13 Verwechseln von Wissen und Meinung  « X
Der Thread erinnert an eine begriffliche Unterscheidung, die für unsere europäische Denktradition grundlegend ist - Meinung vs. Wissen.

Am Anfang, seit dem 6. Jh., gab es eine Reihe von Philosophen - Parmenides und Heraklit als die wohl bedeutendsten - , denen der Ausgang aus dem mythologischen Denken gelang, indem sie die Erkenntnis von Welt und Mensch in ihrem Zusammenwirken auf die begriffliche Entwicklung kohärenter Gedanken gründeten. Das war der Beginn einer fundamentalen geistigen Veränderung. Um 450 -(bis ca. 380) entstand eine Denkschule - die Sophisten -, die wichtige Schwächen darin aufdeckten, die zumeist auf einen Mangel an zureichender Begründung zurückzuführen waren. Sie unterschieden zwischen bloßer doxa, Meinung, und hinreichend begründeter episteme, eigentlichem Wissen (das später zur Wissenschaft führte). Sokrates gehörte noch zu ihnen. Einige Sophisten verdarben sich ihren Ruf, indem sie vorführten, wie man mit einiger Übung durch bloß rhetorische Manipulation und pseudologische Fehlableitungen jede beliebige Meinung als begründetes Wissen ausgeben könnte. Der Sokrates-Schüler Platon hat in seinen Dialogen gezeigt, dass wir zu episteme - wirklichem Wissen - nur durch sorgsame Argumentation anhand von Gründen gelangen. Seine Dialoge führen das in aller Ausführlichkeit vor und Aristoteles hat diese Überlegungen weitergeführt und noch tiefer verankert.

In Diskussionen, wie sie hier in Ximig geführt werden, kann die Unterscheidung manchmal von Bedeutung sein (sie muss es ja nicht immer, es gibt auch den Spaß an der bloßen Meinungsäußerung), Wie wichtig in unserer geistigen Kultur die Rechtfertigung durch wechselseitge Verpflichtung auf Gründe ist, hat in der modernen Sprach- und Erkenntnisphilosophie Robert Brandom in seinem Standardwerk "Expressive Vernunft" gezeigt.

Aber in Ximig kann man manches lockerer sehen :)

P.s: Vielleicht noch eine Ergänzung: Das Wort Meinung wird unterschiedlich verwendet. In manchen Kontexten will man damit einfach die bloße Äußerung einer subjektiven Annahme, die nicht argumentativ belegt ist, bezeichnen und geht dabei davon aus: Ich kann schließlich alles sagen, solange ich damit niemanden zu nahe trete, beleidige usw. Dagegen ist an sich nichts einzuwenden, nur geht es dabei nicht um das, was man im Rahmen einer seriösen Argumentation den Diskussionspartnern vernünftigerweise schuldet. Es Ist also eine andere Verwendungsweise und damit ein anderer Begriff. Wenn im Rahmen einer Diskussion die eine gegen die andre Verwendung getauscht wird, könnte man von Sophistik im negativen Sinn sprechen, auf jeden Fall von Manipulation.

Im übrigen teile ich die Meinung (!), das in unserer Zeit Grundlagen verloren zu gehen scheinen.
Bearbeitet am 29.06.2019 15:04 von AnnaCMander 
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