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Politik

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AnnaCMander 12.07.2019 15:51 Die zitternde Kanzlerin  T A X
Wir alle konnten beobachten, wie die Kanzlerin bei öffentlichen Anlässen von starken Zitterepisoden ereilt wurden, bei denen ihr Körper außer Kontrolle geriet. Ich denke, es verbietet sich, das Geschehene durch spekulative Rückgriffe auf Psychisches interpretieren zu wollen. Der Respekt vor ihrer Persönlichkeit sollte dies verhindern. Andererseits - Kanzlerin ist öffentliche Person schlechthin, wer, wenn nicht sie, lenkt, zumal bei solchen Anlässen, alle Aufmerksamkeit auf sich, auch soz. ungewollt - es ist einfach so und unvermeidbar. Deshalb ist es legitim, sich mit diesen Episoden zu befassen und das, was daran womöglich erkennbar wird, zu verstehen. Aber eben: nichts angemaßtes "Seelisches" ; und auch eine medizinische Ausdeutung sollte vermieden werden, zumal sich im Netz schon Mediziner gemeldet haben, die ausdrücklich davon Abstand nehmen. Man kann im Übrigen von dem allgemein verbreiteten Bild dieser durch und durch vernunftgesteuerten Frau ausgehen und annehmen, dass sie selbst in Kontakt mit Fachberatern ist.

Etwas anderes aber lässt sich sehen. Die Anlässe waren jeweils Empfänge von Staatsmänner, ein Präsident, zwei Ministerpräsidenten, man steht dabei rührungslos und strahlt Respekt und Standhaftigkeit im Nebeneinander und in Gegenseitigkeit aus. Ein solches Ruhigstehen - wir haben es wohl alle schon einmal erlebt - ist eine ganz ungewohnte, geradezu körperwidrige Haltung (die von Soldaten trainiert wird): Von Natur aus sind unsere Körper Bleistifte, die für's Fallen prädestiniert sind und die das Nichtfallen, das senkrechte Balanzieren erst lernen und sich angewöhnen müssen - Gehen ist ständig aufgefangenes Fallen, Stehen erst recht.

Und nun steht Angela Merkel also, der Körper sollte, wie stets, in völliger Ruhe sein, tut dies aber nicht, sondern macht sich - scheinbar - unabhängig von der Situation, indem er sich auf der Stelle in Bewegung setzt und damit dem, was angesagt ist, widerspricht - denn es geht um Körpersprache, die ja meistens ganz unbewusst geschieht. Der Körper konterkariert den gegenwärtigen Staatsakt und benutzt ihn, so könnte man es lesen, um zu zeigen: Das stimmt so nicht! Es ist nicht eine Gelegenheit zur Ruhe, denn schaut hin, die Dinge sind in großer Unordnung. Die Bundesrepublik lebt inmitten beunruhigender Verschiebungen - Trump und die Auflösung der westlichen Welt, Putin, der Brexit, der zusammenbrechende Nahe Osten, die noch zu erwartenden Migrantenströme und das Ertrinken im Mittelmeer, Klimawandel und die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen, globale Digitalisierung, der Zerfall der EU, und dabei das deutliche Schwinden der eigenen Machtmöglichkeiten angesichts von trostlosen Gestalten wie AKK, Kühnert, u. a. Es ist, eigentlich, ein Augenblick der Ohnmacht und des Schreckens und ein Ruf an alle.
ybacu 12.07.2019 20:48 Die zitternde Kanzlerin  « T A X
Die merkwürdigste Interpretation die ich dazu bisher gelesen habe, interresante Gedanken, ich glaube nicht das diese zutreffen
ybacu 13.07.2019 21:53 Die zitternde Kanzlerin  « T A X
Es ist schon daran zu zweifeln das Merkel ist Welt so negativ sieht.... und danach wird noch abstruser in der Spekulation.
ybacu 14.07.2019 22:19 Die zitternde Kanzlerin  « T A X
Nun die obige Betrachtung leitet sich davon ab das Angie die Welt in Auflösung betrachtet und leitet aus diesem Inneren Druck körperliche Beschwerden ab. Ich bezweifle das Angie die Welt so sieht. Und das sich aus sowas eine körperliche Manifestation ableiten lässt ist eine .... Spekulation.

AnnaCMander 13.07.2019 08:48 Die zitternde Kanzlerin  « T A X
Ich mache hier von der Zwei-Körper-Theorie des Königs Gebrauch. Diese politische Denkfigur, von Ernst Kantorowicz Anfang des 20. Jh. In der Emigration im Rückgriff auf Auffassungen entwickelt, die bis in die ottonische Zeit zurückgehen und später im 16. Jh. In England erneut Bedeutung errangen. diese als "political theology" bezeichnete Denkfigur schreibt dem König grundsäzlich zwei verschiedene Körper zu, den body natural und den body politic. Dieser letztere, durchaus ontologisch als unterschiedener gemeint, ist der Körper der königlichen Macht, die er nicht bloß zeichenhaft repräsentiert, sondern im eigentlichen Sinn verkörpert. Dem corpus politicum kommt die Würde des Königlichen zu, von ihm geht alle Strahlkraft aus, sie macht es z. B. möglich, dass, wie in der damaligen Zeit üblich, Worte minderjähriger Knaben für den königlichen Machtbereich galten. Der corpus politicum war zwar untrennbar mit dem corpus naturalis verbunden und auf ihn angewiesen, jedoch nicht von dessen Art. Es liegt auf der Hand, dass diese Vorstellung auf Denkfiguren des Christentums von den zwei Naturen Jesu - Gott und Mensch zugleich - zurückgeht.

Dieses Konzept der zwei Naturen hat in der gesamten europäischen - westlichen - Neuzeit Bedeutung. Es fordert auch heute noch die Trennung der öffentlichen Person, z. B. der Kanzlerin, von ihrem privaten Dasein als zweier verschiedener Bereiche, wenn auch kaum noch in dem mystisch-theologischen Sinn früherer Zeiten. Wohl aber legt es nahe, dem, was im öffentlichen Raum an dem corpus politicum geschieht und sichtbar wird, eine öffentliche, nicht bloß private Bedeutung beizumessen und das Zittern der Kanzlerin, dieser Figur von so immenser, wenn auch wohl schwindender Macht und Bedeutung, als Ausdruck eines politischen Tatbestands zu verstehen. Dies geschieht in meinem Beitrag.

Hinzu kommt eine andere Perspektive, die zum Verständnis herangezogen wird und die mit dem Wesen von Kommunikation zusammenhängt. Seit Watzlawick wissen wir, dass menschliche Kommunikation immer und unausweichlich auf den beiden Ebenen des direkt Gesagten, Verbalen, und der anderen des körperlich Begleitenden - Mimik, Gestik, Körperhaltung usw. - also des Nonverbalen abläuft. Der nonverbale Bereich ist dabei nicht unwichtige Zutat und Begleiterscheinung, sondern gleichwertiger Anteil des kommunikativ Vermittelten, der allerdings eben nicht leicht kontrollierbar ist, er kann das Gesagte sowohl unterstreichen, als auch ihm widerstreiten, in diesem Fall spricht man von inkongruenter, sogar paradoxer Kommunikation. Und diese liegt nach meiner Interpretation der zitternden Kanzlerin vor. Es geschieht in diese Augenblicken sogar, dass der Körper gleichsam die Pflicht zur Richtigstellung übernimmt und das beabsichtigt Statuarische des ruhigen Stehens für den Staat als bloßen Anschein deutlich macht.

Andere Perspektiven sind selbstverständlich immer möglich, es ist zu erwarten, dass sowohl privat-psychologische als auch medizinische hinzutreten werden. D
Bearbeitet am 13.07.2019 08:52 von AnnaCMander 
ybacu 13.07.2019 21:56 Die zitternde Kanzlerin  « T A X
Ich neige dazu solch überhöhte Erklärungsmuster als nette Spielerei zu bezeichnen aber als kaum bis gar nicht realitätsnah zu empfinden.
AnnaCMander 14.07.2019 09:27 Die zitternde Kanzlerin  « T A X
Spiel und Ernst müssen sich ja nicht ausschließen. Beim Denken ist für mich beides verbunden. Letzten Endes entscheidet, ob ein Gedankengang anregt, die Welt und was in ihr geschieht, anders, womöglich klarer, zu sehen. Und sicher, man kann Gedanken aufnehmen oder sie verwerfen - alles okay. Ich muss ja auch nicht selber Fußball spielen, um ihm womöglich mit Leidenschaft anzuhängen, aber das Spiel kann mir auch gleichgültig sein oder im Ganzen zu hysterisch.

Was nun meine Überlegungen betrifft: Die von Kantorowicz aus einer langen europäischen Denktradition berichtete und neu gewürdigte Konzeption der zwei Körper des Königs erlaubt einen anderen Umgang mit dem in Frage stehenden Zittern der Kanzlerin, der uns nicht nötigt, in medizinisch-private Spekulationen abzugleiten, sondern uns weiter und stetig in der politischen Dimension aufzuhalten. Die Kanzlerin auch in ihren Zitterepisoden als corpus politicum zu betrachten, hält den Blick frei und fest auf den Zustand der Welt und auf Machtverhältnisse gerichtet. Und die kommunikationstheoretischen Analysen von Watzlawick sind seit Langem Allgemeingut. Es ist völlig in Ordnung, sie heranzuziehen.
AnnaCMander 15.07.2019 08:12 Die zitternde Kanzlerin  « T A X
Wie gesagt, Denken hat für mich einen Wert für sich, solange es sich mit Argumenten ausweist. Dass es verworfen werden kann, ist immer sein Risiko. Es bleibt doch das Angebot seines jeweilgen Apektes.
ybacu 15.07.2019 10:11 Die zitternde Kanzlerin  « T A X
Denken allein ein Wert für sich ... nun ich bin dafür das daraus auch irgendwann Konsequenzen resultieren sollten - allerdings führt uns dies zu einer Philosophie-Debatte sehr weit vom Thema weg.
 ·  AnnaCMander 15.07.2019 10:30 Die zitternde Kanzlerin  « X
Die Denkfigur der zwei Körper des Königs gehört seit alters - Römer und frühes Mittelalter - zur Philosophie der Politik, und Konsequenzen, also mögliche Schlussfolgerungen, sind in meinen Beiträgen enthalten und angedacht. - Aber ich lasse es jetzt dabei bewenden, es ist ja verworfen.
ATA 15.07.2019 11:24 Die zitternde Kanzlerin  « T A X
Nein, es lohnt sich, denn man schafft sich und anderen damit Klarheit. Eine wichtige Voraussetzung für sinnvolle Konsequenzen.
 ·  AnnaCMander 15.07.2019 12:46 Die zitternde Kanzlerin  « X
Ja, so sehe ich es auch. Denken versucht, beim Blick auf die Welt (wovon wir selbst immer Teil sind) Aspekte zu gewinnen. Oft sind dabei Modelle hilfreich. Der Vorteil der Zwei-Körper-Theorie liegt für mich in dem konsequenten Verzicht auf Psychologisierung, auf Spekulationen über private Einstellungen der realen (natürlichen) Person Angela Merkel. Ich muss und will nicht wissen, was in ihr vor sich geht, wenn ich ihre Erscheinung als corpus politicum betrachte - was ja immer legitim bleibt. Und das Zittern des corpus politicum ist ja als offensichtlich paradoxe Reaktiion des Körpers im Zusammenhang einer Situation der Ruhe sichtbar, kann also mit Watzlawick als Zeichen aufgefasst werden.

Und es wäre ja weltfremd, anzunehmen, dass die Politikerin (der Öffentliche Körper) auf die Weltumstände nicht reagieren könnte.

Vielleicht ist die Zwei-Körper-Theorie in unserer an Psychologismus gewöhnten Alltagsdenkweise ein wenig fremd.


Zur Ergänzung: Natürlich handelt es sich bei dieser Denkfigur um eine bemerkenswerte Form des Konstruktivismus, der eben nicht erst in unseren Tagen erfunden wurde, sondern mit seinen Wurzeln zurückreicht bis in die Antike. Man findet entsprechende Diskussionen bei den Sophisten, bei Platon, im gesamten Hellenismus. Erkenntnis wird darin insgesamt als gemeinsame soziale Praxis begriffen, die nicht schlicht wirklichkeitsabbildend ist, sondern als gestaltend-modellierend verstanden wird.
Bearbeitet am 16.07.2019 09:22 von AnnaCMander 
 ·  ATA 17.07.2019 10:00 Die zitternde Kanzlerin  « X
Wenn es so sein sollte, bitte ich um Verzeihung. Aber dann sage mir bitte, wie Dein Einwand, das führe zu einer abschweifenden Diskussion dann zu verstehen war?

online 13.07.2019 11:26 Die zitternde Kanzlerin  « T A X
und warum glaubst Du das nicht?
Also ich kann von mir selbst sprechen - ich hatte ein Mikro in der Hand - und sollte eine Ansprache halten. Kein Ding hatte ich schon mehrmals gemacht - aber an diesem Tag fing ich plötzlich an zu zittern - ich konnte das Mikro kaum halten. Das kam ohne Vorwarnung einfach so!
Habe das überspielt und der Abend ging leidlich vorbei.
Doch auch die nächsten öffentlichen Auftritte waren von zittern begleitet. Mein Arzt hatte keine Erklärung.
ybacu 13.07.2019 21:54 Die zitternde Kanzlerin  « T A X
sowas nennt man Lampenfieber -nix besonders.
Hab ich glücklicherweise wirklich nicht. Bei Merkel als Vollprofi nach all den Jahren kaum anzunehmen das sie von sowas noch befallen wird.
 ·  online 14.07.2019 14:46 Die zitternde Kanzlerin  « X
nee Lampenfieber hatte ich schon vor dem Auftritt ... und nicht plötzlich!
Das ist völlig anders ...
AnnaCMander 14.07.2019 09:33 Die zitternde Kanzlerin  « T A X
"Lampenfieber" ist banal. Kann ja sein. Aber wenn ich dich recht verstehe, ist deine Frage: Warum kann ich für gewöhnlich und lange Zeit frei sprechen, und wieso taucht plötzlich das Zittern auf. Das ist nicht mehr so banal, sondern als Frage berechtigt. Aber nur du kannst womöglich herausfinden, ob sich dir ein Zusammenhang mit deiner Lebenssituation im Großen oder im Kleinen erschließt.
 ·  online 14.07.2019 14:49 Die zitternde Kanzlerin  « X
Lampenfieber ist völlig anders und man kann es auch einschätzen.

Also ich hatte keine andere Lebenssituation - das Zittern kam und ist dann auch wieder einfach verschwunden.
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